Giulianova September 2003

Blackout in Bella Italia !

Was macht die deutsche Elo-Schülerin, wenn sie in Giulianova unter der doccia steht und plötzlich nur noch acqua fredda auf ihrer Haut spürt? Heißt sie Sarah, so duscht sie eiskalt weiter - im wahrsten Sinne des Wortes. Doch nicht alle 23 Mitglieder unserer Austauschgruppe, die vom 24.09.03 bis 01.10.03 unsere Partnerschule Marie Curie in Italien besuchte, nahmen den landesweiten Stromausfall, der uns am Sonntagmorgen überraschte, so gelassen. Während die eine im Dunkeln gegen eine Tür lief, wurde der andere um fünf Uhr früh von einem stromunterversorgten, hartnäckigen Einbruchsmelder aus der Nachbarschaft geweckt, und die meisten von uns zogen es schließlich vor, ihre Körperpflege auf unbestimmte Zeit zu verschieben... Auf warme Nahrung jedoch mussten wir - italienischen Gasherden sei Dank - nicht verzichten: Während die deutsche Küche kalt geblieben wäre, konnten wir uns wie jeden Tag an reichhaltigen Portionen köstlicher pasta , pizza und vieler anderer Delikatessen laben. Gegen Abend kam der Strom wieder zurück, so dass auch die lang ersehnte Dusche endlich mit acqua calda genommen werden konnte.

Und wenn nicht - da gab's ja noch die Adria direkt vor der Haustür! " Voi tedeschi siete matti ! Ihr Deutschen seid verrückt!", sprachen da unsere Gastgeber - hatten doch die wenigsten von uns Probleme, sich in die Ende September schon recht kühlen Fluten zu stürzen. Aber schließlich ist man nicht jeden Tag am Meer, da muss man schon mal die Zähne ein bisschen zusammenbeißen... Wie spät im Jahr wir schon dran waren, zeigte sich auch daran, dass wir umplanen mussten: Der sehnlichst erwartete Ausflug zum parco marino delle Isole Tremiti mit ihren kleinen Buchten und Grotten musste wegen unruhiger See entfallen.

Dennoch hatten wir natürlich Gelegenheit, die Schönheit von Landschaft, Geschichte und Kultur dieses wundervollen Landes auf uns wirken zu lassen. Neben einem Ausflug ins touristenreiche, aber immer wieder beeindruckende Rom wählten wir dieses Jahr das kleine, von mittelalterlicher Architektur geprägte Universitätsstädtchen Urbino (Marche) zum zweiten Ziel. Dort bot sich das Geburtshaus des berühmten Malers und Baumeisters Raffaello (1483-1520) zum Besuch an. Doch auch die Stadt an sich, hoch oben auf einem Hügel gelegen und berühmt für ihre " Accademia delle Belle Arti / Akademie der Schönen Künste", belohnte uns nach einem stufenreichen Aufstieg mit der herrlichen Aussicht über die Weite der Landschaft - und natürlich mit cappuccino , gelato und vor allem der Möglichkeit, in das geschäftige, bunte Leben der engen Gässchen und der piazza einzutauchen; und vielleicht erwachte nicht nur in mir für einen Moment der Wunsch, dazu zu gehören...

Aber es half nichts - wir mussten wieder zurück, schließlich wollte man abends noch eine festa dell'arrivederci feiern. Doch ganz so flott wie geplant kamen wir selten voran, und hier waren es die Pünktlichkeit gewohnten Deutschen, die mit den Gepflogenheiten ihrer Gastgeber nicht immer zurechtkamen: "Die Italiener haben kein Zeitgefühl", ließen sich kritische Stimmen vernehmen, wenn man sich in der Freizeit traf und eine viertel Stunde auf den Letzten warten musste, um anschließend "sinnlos hin und her zu laufen, von einem Café zum anderen". Dennoch fiel die abschließende Wertung positiv aus: "Das war lustig!" Andere Länder, andere Sitten....

Den Einblick in dieselben zu erleichtern war eines der Ziele unseres diesjährigen Arbeitsprojekts. Jeder Schüler hatte mit seinem Austauschpartner typische Szenen aus dem italienischen Alltag fotografiert und schriftlich fixiert. So bekamen wir am letzten Tag unseres Aufenthaltes schöne Gesprächssituationen sowohl auf italienisch als auch auf deutsch präsentiert, u.a. "In der Gastfamilie", "Im Eiscafe", "Auf dem Ausflug", "Am Meer". Mittlerweile können einige dieser Arbeiten auch auf der Website eingesehen werden und neuen Austauschinteressenten schon als kleiner, am italienischen Alltagsleben orientierter "Sprachführer" vorab dienen. Denn im nächsten Jahr heißt es wieder: Andiamo in bella Italia, Paese del Sole !

S. Schott